Thomas Schmidt-Ott
Thomas Schmidt-Ott ist der elegante Beweis dafür, dass man sich im Leben weder entscheiden noch festlegen muss, jedenfalls nicht zwischen Kultur, Kabarett und Kreuzfahrtschiff. Ursprünglich Bankkaufmann bei der Deutschen Bank (der Vater wollte das so, und damals gehorchte man noch …), wechselte er bald in die Kultur. Als promovierter Kulturmanager mit Stationen bei der Los Angeles Philharmonic und dem Boston Symphony Orchestra bewegte er sich stets mit einem Bein im Hochkulturtempel und mit dem anderen auf der Bühne des ganz normalen Klassikwahnsinns. Nach einem ersten Berliner Intermezzo als Leitungsreferent für Kultur im Senat Peter Radunskis wechselte er ans Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, wo er als Orchesterdirektor an der Seite von Kent Nagano tätig war. Danach ging’s weiter zum Bayerischen Rundfunk, als „Chefmanager Klangkörper“.
2005 verließ er die öffentlich gepolsterte Komfortzone und übernahm die Leitung des Zentrums für Audience Development an der Freien Universität Berlin. Zwei Jahre später sprang er dann ganz ins kalte Wasser: Als Programmchef bei TUI Cruises erfand er das „Klanghaus“ für die Mein Schiff Flotte, eine Mini-Philharmonie mit Hightech-Akustik – mitten auf hoher See. Während andere Shuffleboard spielten, brachte er Mozart auf die Planken, die die Welt bedeuten. 2020 kehrte Schmidt-Ott zum DSO Berlin zurück, diesmal mit erweiterten Aufgaben auch in der Künstlerischen Leitung und der undankbaren Mission, das Orchester unfallfrei durch Pandemie, Livestreams und Lockdowns zu führen.
Dem Kabarett ist er seit den 1990ern verbunden, zunächst als Autor und Musiker für Dieter Hildebrandt im „Scheibenwischer“, damals, als Satire noch schwarz-weiß dachte, aber schon ziemlich bunt traf. Es folgten Texte für Dieter Hallervorden („80 plus“) und für die kabarettistisch-musikalische Reihe „Kunst der UnFuge“, die inzwischen zur Kultmarke zwischen Kammermusik und Klamauk avancierte – mit Gästen wie Horst Evers, Torsten Sträter, Mathias Richling und vielen anderen. „Cello on tour“ war eine von ihm geschriebene, moderierte und gespielte ARD-Serie in den späten 1990ern, mit spektakulären Spielorten wie Hawaii, Antarktis, Kolumbien und Alaska. Ähnlich international ist er mit seiner Jazzband „Yellow Cello“ unterwegs, meist im Stehen spielend, trotzdem am Cello, und gerne mit einem Lächeln, das verrät: Auch diese Partitur nimmt er nicht allzu ernst.
Privat ist Schmidt-Ott Vater von vier Kindern, was ihn in puncto Organisationstalent endgültig für jede Bühne qualifiziert – ganz besonders für die Komödie am Kurfürstendamm. Er lebt in Berlin und auf Spiekeroog, in den Dünen irgendwo zwischen Konzertsaal und Küstennebel, zwischen Partitur und Pointe. Wer ihn fragt, was er eigentlich beruflich macht, bekommt meist nur ein Lächeln – und eine Geschichte, die zu gut ist, um nicht erzählt zu werden.