Coline Serreau

… stammt aus einer Theaterfamilie. Ihre Mutter, Geneviève Serreau, übersetzte Brecht und Shakespeare ins Französische, schrieb Romane, Theaterstücke und verfasste eine Geschichte des modernen Theaters. Jean-Marie Serreau, ihr Vater, war Theaterleiter, Regisseur und Schauspieler, der in der Nachkriegszeit in Frankreich Stücke von Brecht und Beckett herausbrachte, u. a. die Uraufführung von „Warten auf Godot“. Auch Ionesco, Kafka, Arrabal und Aimé Césaire gehörten zu den Autoren, die an seinem Theater aufgeführt wurden.
Coline Serreau hat Literaturwissenschaften studiert und am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris Kurse zur Geschichte der Musik und der Ästhetik belegt. Später studierte sie Orgel an der Schola Cantorum. Außerdem besuchte sie die Zirkusschule von Annie Fratellini und ließ sich dort zur Trapezkünstlerin ausbilden.
1968 begann sie als Schauspielschülerin im Centre national de la Rue Blanche, und schon 1969 sammelte sie erste Theatererfahrungen an der Comédie Francaise, bevor sie sich dem Drehbuch- und Stückeschreiben sowie der Opern-, Theater- und Filmregie zuwandte.
1986 wurde Serreaus erstes Bühnenstück, „Lapin Lapin“ (Hase Hase), uraufgeführt (Regie: Benno Besson).
Vier Jahre später drehte sie ihren ersten eigenen Kinofilm: „Mais qu'est-ce qu'elles veulent“, ein Dokumentarfilm über die Lebenssituation von Frauen.
Ihr größter, internationaler Publikumserfolg war „Drei Männer und ein Baby“, der 1985 in die Kinos kam: 12 Millionen Zuschauer, drei Césars, nominiert für den Oscar und den Golden Globe als bester ausländischer Film.
Coline Serreau führte auch Regie und schrieb Drehbücher, u. a. bei „Milch und Schokolade“ (1989, mit Daniel Auteuil) und für „Die Krise“ (1992, César für das beste Drehbuch).
Als Schauspielerin hat Coline Serreau in vielen Theaterproduktionen mitgewirkt, darunter „Wie es Euch gefällt“, inszeniert von Benno Besson im Hof des Papstpalastes in Avignon, und „Der kaukasische Kreidekreis“ (ausgezeichnet mit drei „Molières“).
In der Opéra de la Bastille brachte sie „Die Fledermaus“, „Der Barbier von Sevilla“ (mit Joyce di Donato als Rosina) und „Manon“ von Jules Massenet (mit Natalie Dessay) auf die Bühne.
Coline Serreau war Präsidentin der Académie Fratellini, die sowohl nationale Hochschule für Zirkuskunst als auch Kulturzentrum ist. Für diese Institution kreierte sie die Shows „Hip envolée hop“ (2009) und „Cirkipop“ (2010). Einen beachtlichen Kinoerfolg erzielte 2005 ihre Pilgerkomödie „Saint Jacques – Pilgern auf Französisch“.
2018 adaptierte sie gemeinsam mit Samuel Tasinaje „Drei Männer und ein Baby“ für das Théâtre du Gymnase in Paris. Die Inszenierung wurde live auf France 2 übertragen.
In Frankreich erhielt Coline Serreau zahlreiche Auszeichnungen: 2004 gewann sie den großen Preis der SACD, des Verbands der Filmautoren und -komponisten.
Sie ist Commandeur des „Ordre des Arts et Lettres“ (Orden der Künste und der Literatur) und Officier des „Ordre National du Mérite“ (Verdienstorden). 2004 wurde sie von Jacques Chirac zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen und 2016 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. 2018 wurde sie Mitglied der renommierten Académie des Beaux-Arts.

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