Geschichte

Der Anfang

1885
ist der Kurfürstendamm noch ein Reitweg und gar nicht richtig erschlossen. Auf dem Grundstück des Theaters am Kurfürstendamm befindet sich ein parkähnlicher Garten mit einer hochherrschaftlichen Villa, der Villa Hirschwald. Rudimente der damaligen Villen- und Gartenlandschaft findet man heute noch in der Fasanenstraße und in der Lietzenburger Straße.

1888
wird auf dem Nebengrundstück (hinter der heutigen Komödie) im deutschen Renaissancestil die ebenfalls aufwändige und schlossartige Villa Raussendorf gebaut. Sie steht als Ruine mit dem Namen „Heilmannsche Villa“ noch bis in die späten sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

1904/05
wird im Zuge der Urbanisierung des Kurfürstendamms die „Villa Hirschwald“ abgerissen. Im vorderen Teil des Parks entsteht ein Ausstellungshaus für den Deutschen Künstlerbund. Später zieht hier die Berliner Secession um Max Liebermann ein. 

1906
Auf dem Grundstück wird im großen Saal des Ausstellungsgebäudes zum ersten Mal Theater gespielt.
Im gleichen Jahr wird hinter dem heutigen Theater am Kurfürstendamm eine kleine Reitbahn und ein Tattersaal gebaut. Noch bis in die 1970er Jahre diente der Saal dem Theater als Werkstatt und Fundusgebäude.

1907/08
Umbau des Saals im Sezessionsgebäude zu einem ständigen Theater.

1908
Hugo von Raussendorf vermacht seine Villa der Stadt Charlottenburg.

1913
entsteht hier ein Kinematographen-Theater.

1921/22
Berlin ist durch das neue Stadtgesetz von 1920 und durch die daraus folgende Eingemeindung der umliegenden freien Städte die drittgrößte Stadt der Welt. Nur London und New York haben mehr Einwohner. Auch Charlottenburg und Wilmersdorf und damit der Kurfürstendamm gehören jetzt zu Groß-Berlin.
Der Ausstellungssaal wird vom Theaterarchitekten Oskar Kaufmann zum ersten Mal  zu einem richtigen Theater umgebaut. Das Kurfürstendamm-Theater entsteht. Direktor ist Eugen Robert, die Eröffnungsvorstellung: „Ingeborg“ von Curt Goetz. Neben dem Autor steht die berühmte Adele Sandrock auf der Bühne. Der Kritiker Alfred Kerr lobt zur Premiere allerdings besonders das Theater: „Wen riefen die Leute zum Schluß? Den Autor? Vielleicht. Die Darsteller? Möglich. Den Direktor? Kann sein. Den Regisseur? Denkbar … Mit voller Sicherheit riefen sie: ´Kaufmann! Kaufmann!´ Das ist der Architekt. Ihn ruft auch der Kritiker: Kaufmann! Kaufmann! Kaufmann.“

1922
wird nebenan auf dem Grundstück der heutigen Komödie ein Geschäftshaus errichtet. Ein schöner Jugendstilbau, der nach dem Krieg noch teilweise erhalten ist. Architekt ist ebenfalls Oskar Kaufmann.

Max Reinhardt und die Theater

1924
lässt Max Reinhardt auf dem Hinterhof des Gebäudes die Komödie bauen. Er ist zu dieser Zeit einer der berühmtesten und erfolgreichsten Theatermacher weltweit und leitet bereits das Deutsche Theater, die Kammerspiele und das Große Schauspielhaus in Berlin und das Theater an der Josefstadt in Wien. 1920 hatte er die Salzburger Festspiele gegründet. Er beschließt, durch den Bau der Komödie in Deutschland etwas Neues zu wagen, was es bis dahin nur in London, Paris, New York gibt: das Boulevardtheater. Unterhaltungstheater für den modernen, aufgeklärten Großstädter. Der aufstrebende Kurfürstendamm scheint dafür die richtige Adresse. Er beauftragt Oskar Kaufmann ein elegantes, intimes Logentheater nach dem Vorbild der Schlosstheater zu bauen, das bis heute in seiner Form weltweit einzigartig ist. Die Eröffnungsvorstellung ist „Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni. Reichskanzler Wilhelm Marx und Außenminister Gustav Stresemann zählen zu den prominenten Premierengästen.
Besonders erfolgreich laufen hier in den Folgejahren die für das damalige Berlin typisch frechen Revuen. Selbstverständlich gibt es auch Nachtvorstellungen von 23 bis 2 Uhr.

1927
übernimmt Ferdinand Bruckner, der Autor von „Elisabeth von England“ , „Die Verbrecher“ und „Krankheit der Jugend“ , das Theater am Kurfürstendamm. Er lässt hier vor allen Dingen Revuen u. a. von Friedrich Holländer laufen. Holländer hat hier den großen Erfolg „Bei uns um die Gedächtniskirche rum“ mit Willi Schäffers und Hubert von Meyerinck.

1928
übernimmt Max Reinhardt das Kurfürstendamm Theater und lässt es von Oskar Kaufmann gründlich umbauen. Es entsteht das heutige Theater am Kurfürstendamm.

1932
zieht sich Max Reinhardt aus der Direktion der Reinhardt Bühnen zurück und arbeitet nur noch als Regisseur.

NS-Zeit

Innerhalb von zwei Jahren wechseln die Direktionen sieben Mal. Eine davon ist Agnes Straub, die das Theater am Kurfürstendamm in Agnes Straub-Theater umbenennt.

1934
übernimmt der junge Operndirigent und -regisseur Hans Wölffer die beiden Theater. Er war - nach dem der Weltwirtschaftskrise geschuldeten Zusammenbruch der Privattheaterdirektion Rotter - Interimsleiter des Theater des Westens und dann, wie viele andere auch, arbeitslos geworden. Nun beschließt er die Flucht nach vorn. Es beginnt eine sehr schwierige Zeit, da jüdische Schauspieler, Autoren und Regisseure offiziell nicht engagiert werden dürfen, sehr oft Stücke verboten werden, und Produktionen erst sehr kurz vor der Premiere überhaupt genehmigt werden. So kommt es immer wieder zu großen Schwierigkeiten mit dem NS-Regime. Gleichwohl sind die Theater höchst erfolgreich. Das Rezept: Hier spielen die beliebten Künstler, deren Auftritt an den staatlichen Bühnen untersagt ist, teilweise unter falschem Namen. Doch die Gesetze werden immer rigoroser. Es gelingt immerhin bis in den Krieg hinein, einen Spielbetrieb recht erfolgreich aufrecht zu erhalten. Da er kein Parteimitglied ist, ist es Hans Wölffer schließlich unmöglich, ein Privattheater zu führen …

1942
werden die Häuser vom NS-Propagandaministerium verstaatlicht. Neue Intendanten sind Franz Stoß (später Direktor des Theaters in der Josefstadt, Wien) und Viktor de Kowa. Der Name nun: Berliner Künstlerbühnen. Hans Wölffer wird enteignet, verlässt Berlin und versteckt sich an der Ostsee.

1943 
werden die Theater durch Feuer beschädigt, bleiben aber wie durch ein Wunder erhalten.

Nachkriegszeit

1946
beginnt Achim von Biel mit der Wiederbespielung der Theater. 
Die Komödie wird mit Schillers „Kabale und Liebe“ wiedereröffnet. Das Gestühl ist aus ausgebombten anderen Theatern und Kinos zusammengestückelt.

1947
wird das Theater am Kurfürstendamm mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ wiedereröffnet.

1948
wird das Theater am Kurfürstendamm ein Kino.

1949
zieht die Freie Volksbühne in das Theater am Kurfürstendamm ein.

Die 50er Jahre

1950
In einem erbärmlichen baulichen Zustand übernimmt Hans Wölffer wieder die Komödie. Er hatte sich vorher in Hamburg an kleineren Theatern durchgeschlagen, war als Regisseur nach Berlin zurückgekehrt, hatte Curt Goetz und dessen Frau Valerie von Martens aus der Emigration geholt und sorgte mit ihnen im Renaissance Theater, wo sie „Das Haus in Montevideo“ spielten, für eine Sensation. Auch für die Komödie holt er viele der emigrierten Freunde zurück, vor allem die Komödienautoren. Nebenbei eröffnet er mit seinem Bruder Siegfried das 1000 Plätze fassende Theater am Nollendorfplatz (jetzt „Goya“ ) als Operettentheater. Hier spielt Max Hansen im „Weißen Rößl“ . Es gelingt Hans Wölffer, den jüdischen Theaterdirektor Hans Sanden, den er bei der Direktion Rotters kennen gelernt hatte und der dort die Geschäfte leitete, als Verwaltungsdirektor zu engagieren.
Auf irgend einem Passamt übrigens, das nur eine englische Schreibmaschine ohne Umlaute auf der Tastatur zur Verfügung hatte, wurde aus dem „ö“ im Namen Wölffer ein „oe“. Er behält aber, wie seine Söhne Jürgen und Christian, die alte Schreibweise bei.

1951
lässt Hans Wölffer die Komödie renovieren und auf über 6oo Plätze vergrößern. Die Architekten sind Schwebes und Schoßberger, die auch die Fassade des Vorderhauses im Stil der Zeit neu gestalten.
Berlin steht wieder auf und der Wunsch nach Unterhaltung und Leichtigkeit ist enorm. Hans Wölffer bietet genau diese Art von Theater.
Beliebte Stars wie Grethe Weiser, Rudolf Platte, Viktor de Kowa, Curt Goetz und Max Hansen sorgen in der Komödie für ständig ausverkaufte Häuser. Auch werden immer wieder musikalische Stücke erfolgreich auf die Bühne gebracht: „Feuerwerk“ , „Der kleine Napoleon“, „Kiss me Kate“ heißen die größten Erfolge. Hans Wölffer ist der deutsche Musical-Spezialist in Deutschland, ein Genre, das es vor ihm in Deutschland noch gar nicht gab.
Das Theater am Kurfürstendamm nebenan ist ebenfalls höchst erfolgreich. Presse und Publikum jubeln in seltener Einmütigkeit. Der alte Kurfürstendamm ist wieder der Mittelpunkt Berlins. Als Schuh nach Hamburg an das Schauspielhaus (als Nachfolger von Gustaf Gründgens) geht, nehmen Leonard Steckel, Rudolf Noelte und Erwin Piscator seinen Platz als Intendanten ein.
Das Theater am Nollendorfplatz leitet Siegfried Wölffer nun alleine. Er zeigt „Land des Lächelns“ mit Helge Rosvaenge, „Käpt’n Bay-Bay“ und auch moderne Musicals, jedoch muss er aus Kostengründen aufgeben.

Die 60er Jahre

1961
Hans Wölffer mietet nach dem Auszug der Städtischen Oper das Theater des Westens in der Kantstraße.
Da das finanzielle Engagement seine Möglichkeiten übersteigt, zeigt er Stücke in Zusammenarbeit mit international renommierten Produzenten. Vier Gastspiele der Oper Rom lassen das Haus vor Applaus erbeben. Die Europäische Erstaufführung von „My Fair Lady“ wird gekauft, der musikalische Leiter der New Yorker Aufführung Franz Allers verpflichtet. Alle, die etwas davon verstehen, halten Hans Wölffer nun endgültig für verrückt, insbesondere da Franz Allers hier zu Lande nur als Dirigent der Philharmoniker bekannt ist. Er engagiert 50 erstklassige Musiker für das Orchester und den Chor. Weiterhin müssen das Ballett, die eigene Schneiderei und die Kosten in den Werkstätten - wie immer - ohne Subventionen bezahlt werden. Zu allem Überfluss fällt auch noch der Bau der Mauer in die Probenzeit. Doch Wölffers Engagement lohnt sich: „My Fair Lady“ wird der größte Erfolg der Nachkriegsgeschichte in Deutschland überhaupt und darüber hinaus ein Politikum. „My Fair Wölffer“ überschreibt Der Tagesspiegel den Leitartikel nach der Premiere. Fast zwei Jahre wird die Produktion allein im Theater des Westens gezeigt, Ruhetage gibt es nicht, außer am Heiligabend. Theaterpauschalreisen werden erfunden: der „My Fair Lady“-Trip, mit der PanAm und dem Hilton Hotel. Bald gibt es vier Dekorationen und Ensembles, denn das Musical tourt jahrelang als Botschafter Berlins durch alle deutschsprachigen Großstädte.
Unter der Intendanz von Rudolf Noelte findet im Theater am Kurfürstendamm die deutschsprachige Erstaufführung von Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ statt. Regie führt Erwin Piscator.

1963
Zwei Monate, bevor die Freie Volksbühne in das neue Theater in der Schaperstraße zieht, schreibt sie Theatergeschichte am Kurfürstendamm: Am 20. Februar findet hier die Uraufführung von Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ in der Inszenierung von Erwin Piscator statt.
Nach dem Auszug der Freien Volksbühne wird Hans Wölffer wieder Direktor des Theater am Kurfürstendamm, Harry Meyen setzt als Hausregisseur Maßstäbe für den neuen schicken „Boulevard“ .

1965
werden die Söhne von Hans Wölffer, Jürgen und Christian, beide als Schauspieler bzw. als Regisseure bekannt, Mitgesellschafter der Theater. Das Theater des Westens wird aufgegeben. Das finanzielle Risiko ist zu hoch.
Nach dem Tod Hans Sandens übernimmt Jürgen Wölffer, der als Schauspieler am Schillertheater engagiert ist, interimsweise die Aufgaben als Verwaltungsdirektor.
 
1966
Jürgen Wölffer wird Mitdirektor.

1968
ist der Kurfürstendamm Mittelpunkt der Studentenunruhen. In der Komödie wird nachts politisches Kabarett gemacht: Wolfgang Neuss, „der Mann mit der Pauke“ , und Wolfgang Müller werden hier zur Legende, ebenso wie „Insterburg und Co“ .

Die 70er Jahre

1971/74
wird das Ku’damm-Karree gebaut. Die beiden Theater bleiben zwar mit ihren nun schon historischen Mauern und ihrer wechselvollen Geschichte erhalten, werden aber von dem modernen Gebäude umschlossen. Besonders dem vorher freistehenden Theater am Kurfürstendamm sieht man weder seine Größe noch seine Bedeutung an. Hinzu kommt, dass durch unverständliche Verordnungen und Auflagen der Charlottenburger Behörden eine repräsentative Außendarstellung, wie sie den Theatern zu dieser Zeit sogar vertraglich zusteht, nicht möglich ist. Die Theater können nach jeweils kurzen Schließzeiten durchspielen.

1974
Jürgen Wölffer wird Geschäftsführer. Er wird in den folgenden Jahrzehnten zum erfolgreichsten Theaterproduzenten in Deutschland.

1976
Hans Wölffer stirbt. Jürgen und Christian sind je zur Hälfte Gesellschafter, Jürgen alleiniger Geschäftsführer. Wolfgang Spier, genannt der König des Boulevards, wird Oberspielleiter.
Die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm sind die bei weitem bekanntesten Privatbühnen in Deutschland und das Aushängeschild West-Berlins. Hier treten die Stars auf, die die Leute sonst nur aus dem Fernsehen oder aus dem Kino kennen. Harald Juhnke, Günter Pfitzmann, Georg Thomalla, Inge Meysel, Curd Jürgens, Grit Boettcher, Peer Schmidt, Gaby Gasser, Chariklia Baxevanos, Anita Kupsch, Herbert Herrmann, Rudolf Platte, Otto Sander, Susanne Lothar und viele andere füllen die Theater. Fast jedes Stück wird vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgezeichnet und mit hohen Einschaltquoten zu besten Sendezeiten in ARD oder ZDF gezeigt.
Jürgen Wölffer gründet eine Tourneegesellschaft und integriert sie in die beiden Theater am Kurfürstendamm. Sie wird bald zur zweitgrößten ihrer Art im deutschsprachigen Raum.

Die 80er Jahre

1988
Jürgen Wölffer findet mit Uwe Spranger einen Investor und lässt die „Komödie Winterhuder Fährhaus“ in Hamburg bauen. Die in Berlin produzierten Stücke der Direktion Wölffer werden nun in Hamburg, auf Tournee und in vielen anderen Großstädten gezeigt.

1989
wird wieder in die Theater investiert, dies Mal wird die Bühnentechnik auf den neuesten Stand gebracht. Nach wie vor benötigt die Direktion keine städtische oder staatliche Unterstützung, im Gegensatz zu allen anderen Theatern in Berlin. 

1989
wird Rafael Roth neuer Besitzer des Ku’damm-Karrees.
Die Berliner Mauer fällt.

Nachwendezeit

1990/95
wird aus der Hinterbühne und dem Magazin des Theaters am Kurfürstendamm die kleine Bühne magazin. Sie wird von den Assistenten der großen Bühnen geleitet, unter ihnen Martin Woelffer (jetzt schreibt sich der Name mit oe), der Sohn Jürgen Wölffers, sowie Folke Braband. Es gibt kaum einen Etat, aber Enthusiasmus für das Theater. Das magazin ist von Anfang an sehr erfolgreich. Der Kritiker Friedrich Luft ist in der Premiere von Martin Woelffers „Menschenfeind“ und bestätigt begeistert: „Hier wächst was. Viel Glück auf diesem guten Weg!“ Das magazin ist in den nächsten fünf Jahren Sprungbrett für viele junge Schauspieler, Regisseure und Theaterintendanten.

1994
Nach der Wende wird es finanziell schwieriger am Kurfürstendamm, denn nun ist die Mitte Berlins für Investoren und Besucher interessanter. Obwohl die Theater am Kurfürstendamm immer noch die meisten Zuschauer der Stadt anziehen, sind sie nicht mehr ausverkauft, aber die Kosten steigen ständig. Weil sie früher so erfolgreich waren, erhalten sie als einzige Bühnen der Stadt keine staatlichen Subventionen. Trotz der gut laufenden Tourneen und der Hamburger Bühne gibt es rote Zahlen. 

1996
gibt es wieder ein Angebot für den Bau eines neuen Theaters durch einen Investor. Die Komödie Dresden wird eröffnet.

1997
Martin Woelffer und Folke Braband übernehmen die künstlerische Leitung der Komödie und wagen einen radikalen Schnitt im Spielplan des bürgerlichen Unterhaltungstheaters. In „Amphitryon“ und „Taxi, Taxi“ treten keine Stars als Protagonisten auf - das Ensemble ist der Star. Die Bühnen- und Kostümbilder werden moderner.
Mit „Pension Schöller“ (Regie: Jürgen Wölffer, im Theater am Kurfürstendamm) und „Veronika, der Lenz ist da - die Comedian Harmonists“ (Regie: Martin Woelffer, in der Komödie) gelingen zwei Sensationserfolge. Beide Produktionen erreichen in den nächsten Jahren über 1000 Vorstellungen und zählen damit zu den meistgespielten Aufführungen in Deutschland überhaupt. So kann sich die Direktion aus eigener Kraft retten und auch weiterhin ohne Zuschüsse bestehen.

Komödie 2000

2003
Die db-Real-Estate, eine Tochterfirma der Deutschen Bank, wird Besitzerin des Ku’damm-Karrees. In einem ersten Gespräch in Frankfurt wird Jürgen und Martin Wölffer eröffnet, dass man vorhat, das ganze Kudamm Karree umzubauen und dabei die Theater ersatzlos abzureißen. Noch auf der Rückfahrt beschließen die beiden, die noch verbleibende Zeit zu nutzen, die Verjüngung des Boulevardtheaters anzugehen und somit auf die Lebendigkeit und Notwendigkeit des Theaterstandortes hinzuweisen.

2004
Die Häuser drücken Mietschulden. Trotz der guten Zahlen im Vergleich zu anderen Bühnen, sind im Umfeld der subventionierten Konkurrenz nicht mehr alle Kosten zu decken. Die Direktion muss einen neuen Mietvertrag mit kürzeren Kündigungsfristen akzeptieren. Obwohl die Direktion den Senat darauf aufmerksam macht, dass die Nicht-Unterstützung zum Abriss führen kann, gibt es keine Subvention. Wie abgesprochen übergibt Jürgen Wölffer vor dem Hintergrund dieses Szenariums seinem Sohn Martin am 100. Geburtstag seines Vaters, Hans Wölffer, die Leitung der beiden Theater. Martin Woelffer geht die Neudefinition des Boulevardtheaters und die Aktualisierung des Spielplans an. Er sucht und findet die Stars von heute: Bastian Pastewka, Christoph Maria Herbst, Michael Kessler, Dirk Bach, Katja Riemann, Katharina Thalbach, Oliver Mommsen, Tanja Wedhorn oder Ingolf Lück prägen in den nächsten Jahren den Spielplan ebenso wie Wolfgang Spier, Herbert Herrmann und Nora von Collande.
Ende des Jahres kündigt die Deutsche Bank die Mietverträge für die beiden Theater zum 31.12.2005. Das ist ein Schock, obwohl man es wusste. Dennoch geht auch der Plan der Woelffers auf: Die ganze Stadt ist in Alarmbereitschaft und formiert sich zum Protest gegen eine drohende Schließung der Bühnen.

2005
Die Öffentlichkeit und auch fast die gesamte Berliner und nationale Presse ergreift Partei für die Wölffer-Bühnen. Es gibt eine Demonstration mit zahlreichen Bürgern, Bürgerinnen und Prominenten. Kunden der Deutschen Bank kündigen ihre Konten. Der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, und der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sind gezwungen, sich des Problems anzunehmen. Es findet eine Reihe von Gesprächen zwischen der Deutschen Bank und der Familie Wölffer statt.  
Der ehemalige Beauftragte des Denkmalschutzamtes Berlin, Dr. Dietrich Worbs, untersucht die Theater und kommt zu dem Schluss, die Gebäude seien eindeutig Denkmäler und daher unter Schutz zu stellen. Der Deutsche Kunstverlag bringt die Abhandlung als Buch heraus. Der Senat von Berlin ignoriert diese Hinweise - aus gutem Grund, wie sich später herausstellt.
Im Dezember 2006 wird das gesamte Ku’damm-Karree an FORTRESS, einem amerikanischen Investment Fonds, veräußert.

2007
Alice Stroever, kultur- und medienpolitische Sprecherin der Berliner Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, findet heraus, dass die große Koalition 1998 eine vorher bestehende Bestandsgarantie der Bühnen gegen eine Zahlung von 4 Millionen Euro aus früheren Verträgen hat streichen lassen. Der Erhalt des Geldes, das zum größten Teil erst bei dem Verkauf des Gebäudes 2002 fällig wurde, wird von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) im Abgeordnetenhaus nach einer Anfrage Stroevers bestätigt. Daher rührt also die Weigerung des Senates, die Max Reinhardt-Theater unter Denkmalschutz zu stellen.
FORTRESS verlängert die Räumungsfrist beider Theater vorläufig. Eine langfristige Lösung ist allerdings nicht in Sicht. Im September veräußert FORTRESS das Ku’damm-Karree an den irischen Investor Ballymore Properties.

2008
Die Theater haben keinen gültigen Mietvertrag, spielen und planen aber weiter. Es finden weiter Verhandlungen über die Zukunft der Häuser statt. Auch der Staatssekretär für Kultur, André Schmitz, setzt sich für den Erhalt der Bühnen ein. Der Kulturausschuss lehnt mit den Stimmen der SPD und der PDS erneut ab, die Häuser unter Denkmalschutz zu stellen. Im Dezember 2008 teilen Martin Woelffer und Ballymore Properties auf einer Pressekonferenz mit, dass eine langfristige Perspektive für zumindest ein Theater gesichert ist. „Ganz im Stile und im Geist von Max Reinhardt und Oskar Kaufmann“ wird Ballymore im Rahmen einer Neugestaltung des Kudamm-Karrees ein Logentheater mit 650 Plätzen am traditionsreichen Theaterstandort Kurfürstendamm errichten. Die beiden historischen Theater sollen im Rahmen der Umbaumaßnahmen abgerissen werden. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf muss zu den Plänen jedoch noch die Genehmigung erteilen.

2009
feiert die Komödie ihren 85. Geburtstag.

2010
Die irische Ballymore Group stellt zusammen mit dem Architekten David Chipperfield erneut ein Grundkonzept für die Neugestaltung des Kudamm-Karrees vor, aus dem im nächsten Schritt die architektonische Detailplanung entwickelt werden soll.

2011
anerkennt der Senat von Berlin die seit Jahren unklare Immobilien-Situation der Kurfürstendamm Theater und unterstützt, angeführt vom Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit und Kulturstaatssekretär André Schmitz, die Bühnen mit der einmaligen Zahlung einer größeren Summe Geldes.

2012
erhalten die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm erstmalig in ihrer langen Geschichte eine „institutionelle Förderung“ , bewilligt vom Abgeordnetenhaus von Berlin. Sie ist zwar gering und die Verzerrung des Wettbewerbes auf dem Berliner Theatermarkt bleibt unverändert, doch das Zeichen und der politische Wille sind deutlich: Am Kurfürstendamm soll auch in Zukunft Theater stattfinden.

2015
Der Investor Cells Bauwelt kauft das Filetstück am Kurfürstendamm. Im Januar 2016 stellt er seine Pläne für das Kudammkarree erstmals der Öffentlichkeit vor. Wenn es nach ihm ginge, würde er die zwei traditionsreichen Theater abreißen lassen und ein neues Theater im Untergeschoss bauen. Er will sich nicht darauf festlegen, ob der Betreiber des Theaters weiterhin die Familie Wölffer wäre. Theaterchef Martin Woelffer verlangt Verhandlungen auf Augenhöhe und fordert die Unterstützung der Politik. Viele Berliner unterstützen seine Forderungen.

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Komödie und Theater am Kurfürstendamm
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